Raus aus der Routine. Ein Gespräch über Kreativität mit Jeremy Abbett

Wer Kreativität hört, der denkt an geniale Kompositionen und revolutionäre Ideen. Wie die von Beethoven, Picasso oder Einstein. Betrachtet man das Schaffen solcher Genies und Virtuosen näher, erkennt man schnell, dass es sich in den seltensten Fällen um plötzliche Eingebungen handelt. Vielmehr ist auch Kreativität und Innovation eine bewusste Suche, ein Prozess. Das Buch “Musenküsse” von Mason Currey (1) beschreibt die Arbeitsweise von bekannten Künstlern, Schriftstellern und Musikern. Frappierend: Jeder einzelne arbeitete intensiv an seinen Kreationen. Ein Vorgang, der uns im Erlebnis-Marketing sehr vertraut ist. Aus diesem Grund haben wir uns mit Jeremy Tai Abbett darüber unterhalten.

Ein Mann, der Kreativität lebt

Jeremy Tai Abbett ist in Vietnam geboren, in den USA aufgewachsen und lebt heute in Hamburg. Er arbeitet als Designer, Redner, Mentor und Berater. Zu seinen Jobtitlen gehören so klangvolle Namen wie die des “Google Creative Evangelist”. Seine Rolle ist die eines Katalysators. Er versteht es, kreative Prozesse in Unternehmen anzukurbeln.

Der kreative Prozess

Für Jeremy Tai Abbett bedeutet kreativ zu sein, verschiedenste Dinge auszuprobieren, zusammenzubringen und so einen neuen Kontext herzustellen: “Kreativität ist für mich der Moment, in dem es ‘Klick’ macht und unterschiedliche, einzigartige Ideen sich zu einer neuen Gedankenkette verbinden.” Angst und Ungewissheit sind Teil dieses Prozesses. Ähnlich beschreibt Pixar-Gründer Ed Catmull in seinem Buch ‘Die Kreativitäts-AG’ “Kreativität als unerwartete Verbindungen zwischen Konzepten oder Ideen, die nichts miteinander zu tun haben.” Dabei spielt für ihn der Zufall eine wichtige Rolle: “Wenn Menschen Angst haben, greifen sie nach Gewissheit und Stabilität (…). Ich glaube, wir müssen Zufälle nicht fürchten, sondern (…) sie für uns arbeiten lassen. Das Unvorhersehbare ist der Boden, auf dem Kreativität wächst.”

So regst du deine Kreativität an

Das Umfeld, in dem Kreativität gedeiht, hat Jeremy Tai Abbett im vorhergehenden Interview zu Kreativität und Mut bereits angesprochen. Dazu gehört den Status Quo und sich selbst in Frage zu stellen, mutig zu sein und sich von Gewohntem zu lösen. “Um kreativ zu sein, brauchst du Abwechslung. Routine ist der Tod der Kreativität”, warnt Jeremy Tai Abbet. “Wir machen Dinge gerne so, wie wir sie schon immer gemacht haben. Wir halten an unseren Gewohnheiten und Ritualen fest.” Der Creative Evangelist rät deshalb: “Du musst raus aus der Routine, raus aus deiner Komfortzone. Nimm einfach mal das Velo in die Arbeit statt den Bus. Auf dem Weg sammelst du neuen Input, der deine Kreativität anregt.” Jeremy Tai Abbett lebt dieses Prinzip. “Ich ändere meine Routine täglich. Das hält meinen Geist frisch, damit bleibe ich kreativ.”

Technologien und das Experience Marketing von morgen

Auch neue Technologien unterstützen uns dabei, aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. Für Jeremy Tai Abbett sind AR, VR und IoT wie bewusstseinserweiternde Drogen, die die Kreativität beflügeln. Er sagt uns “sagenhafte Erlebnisse” voraus, die das Experience Marketing von morgen auf ein neues Level bringen. Ein solches Konzept haben wir für die Baselworld 2020+ visualisiert. Sehen Sie sich das Video der Präsentation im sogenannten Blue Room an.

Referenzen

1. Currey, Mason. Daily Rituals: How Great Minds Make Time, Find Inspiration, and Get to Work

2. “Creativity, Inc.: Overcoming the Unseen Forces That Stand in the Way of True Inspiration” by Ed Catmull